„Geht es direkt morgen los?“, fragte ich mit tonloser, sachlicher Stimme.

Edik polterte wie ein Bär aus dem Winterschlaf in meinen engen Flur. Sein schwerer Schlüsselbund landete mit einem Scheppern auf dem Glasregal neben der Tür.

„Mama! Pack schon mal die Samen, die Schaufeln und alles andere zusammen! Wir eröffnen die Saison, hurra!“

Er rief das schon von der Schwelle aus, völlig selbstverständlich. Er trat aus seinen Sneakers, ohne sie aufzuschnüren, und hinterließ zertretene Fersenkappen. Mein erwachsener Sohn im ausgebeulten grauen Trainingsanzug schien die halbe Wohnung auszufüllen.

„Geht es direkt morgen los?“, fragte ich mit tonloser, sachlicher Stimme.

„Warum lange warten? Der Mai steht vor der Tür! Es gibt so viel zu tun. Die Veranda wackelt, das Gewächshaus muss neu bespannt werden, und wir grillen natürlich. Mach deine berühmte Marinade auf Kefir-Basis. Und mach viel davon, wir werden ausgehungert sein!“

Die letzten drei Jahre lief mein Start in die Gartensaison immer gleich ab. Edik kam mit seiner Familie „zur Erholung“, was in der Praxis bedeutete: Er kam, um sich bedienen zu lassen. Seine Frau Karina breitete majestätisch eine Wolldecke unter dem Apfelbaum aus, die Kinder trampelten durch meine liebevoll gepflegten Beete. Edik „reparierte“ vierzig Minuten lang den Zaun, fluchte lautstark, nur um danach mit einem Bier in der Hand am Grill zu sitzen, weil sein Rücken angeblich „gleich abfällt“. Und ich? Ich schleppte Eimer mit Wasser von der öffentlichen Pumpe, jätete Unkraut und wusch nachts in eiskaltem Wasser das fettige Geschirr der ganzen Bande.

„Wofür hast du den Koffer rausgeholt?“, fragte Edik und stieß mit dem Fuß gegen meinen roten Reisekoffer. „Wir bleiben doch nur zwei Tage. Kauf morgen neue Bretter, und reiß die alten vom Zaun ab, damit ich keine Zeit verliere, wenn wir kommen. Das Brecheisen liegt im Schuppen.“

Sein Handy klingelte – Lautsprecher an. Karinas quengelnde Stimme schallte durch meine saubere Küche.

„Edik! Hast du deiner Mutter wegen des Pools gesagt? Wir brauchen das Ding, die Kinder müssen im Freien spielen. Die Luft in der Stadt ist so schmutzig! Und Polina Nikolajewna, seien Sie so lieb und füllen Sie den Pool morgen früh schon mit Wasser, damit es aufgewärmt ist. Und vergessen Sie nicht, frisches Gemüse aus dem Garten zu ernten. Supermarkt-Zeug ist voller Chemie!“

Ich lehnte an der Arbeitsplatte und verschränkte die Arme. Mein Entschluss stand fest.

Am nächsten Morgen fuhr ich nicht mit der ersten Bahn. Ich kam erst am späten Nachmittag an, genoss die Stille auf der Veranda und trank in aller Ruhe meinen Tee. Als die Familie gegen acht Uhr abends eintraf, war ich bereit.

„Wo ist das Wasser im Pool?!“, schrie Karina sofort. „Und warum ist es im Haus so kalt? Warum ist das Abendessen nicht fertig?!“

Edik starrte mich vorwurfsvoll an. „Mama, was ist denn mit dir los?“

Ich trat auf die Veranda, meinen roten Koffer in der Hand.

„Edik, wir haben nichts abgemacht. Ihr habt Bedingungen gestellt. Ich habe das Haus vor zwei Monaten zum Verkauf inseriert. Heute war euer letzter Tag als Gäste. Die Schlüsselübergabe an die neuen Besitzer ist morgen. Ich habe mir eine Kur genehmigt und fahre jetzt in den Urlaub.“

Karina schnappte nach Luft, Edik starrte mich fassungslos an. „Das ist das Familienerbe! Du kannst das nicht machen!“

„Euer Erbe ist eure Verantwortung“, entgegnete ich ruhig. „Ich habe vierzig Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass ich kein Dienstpersonal in meinem eigenen Leben sein will. Eure Rückenprobleme und Allergien sind ab heute eure Sache.“

Ich ging zum Gartentor. Ich sah nicht zurück. Die Luft war so rein, so frühlinghaft, so voller Freiheit. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten fühlte ich keine Schuldgefühle, sondern eine unbändige Leichtigkeit in meinen Schultern. Vor mir lag kein Garten mit schweren Wassereimern, sondern mein eigenes Leben. Ich war endlich frei.

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„Geht es direkt morgen los?“, fragte ich mit tonloser, sachlicher Stimme.